10 Fragen, 10 Antworten.

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Stefan Szyszkowitz und Franz Mittermayer über den Weg der EVN Gruppe in die Energiezukunft.

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#mission2030:
Positiver energiepolitischer Rahmen

#mission2030: Positiver energiepolitischer Rahmen

Wie beurteilen Sie die #mission2030, die neue Klima- und Energiestrategie der österreichischen Bundesregierung?

Stefan Szyszkowitz: Die #mission2030 gibt Österreich eine konkrete klima- und energiepolitische Perspektive. Sie baut dabei auf den Ergebnissen der Pariser UN-Klimakonferenz und den Zielen des europäischen Klima- und Energierahmens auf. Wir sehen das positiv, denn abgesehen von der ganzheitlichen Betrachtung unseres Energiesystems kommen auch für die Versorgungssicherheit so bedeutende Themen wie die saisonale Speicherung oder neue Technologien zur Sektorkopplung zur Sprache. Wir selbst leisten mit unseren Investitionen in die erneuerbare Energieerzeugung und den Netzausbau bereits seit vielen Jahren einen sehr konkreten Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Und wir sind als integriertes Energieunternehmen auch weiterhin ein logischer Partner für die Umsetzung dieser Ziele, die mit unserer Unternehmensstrategie im Einklang stehen.

Als börsenotiertes Unternehmen ist es für uns essenziell, dass den politischen Zielsetzungen konkrete gesetzliche Rahmenbedingungen folgen, auf deren Basis wir unsere Strategie nachhaltig und verlässlich verwirklichen können. Dazu braucht es auch einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über Ziele, Maßnahmen und Mitteleinsatz, um die notwendige Akzeptanz zu gewährleisten. Nach ersten Schätzungen unseres Branchenverbands Oesterreichs Energie setzt das von der Politik bis 2030 angestrebte Ziel einer zu 100 % erneuerbaren Stromerzeugung österreichweite Investitionen in erneuerbare Erzeugungskapazitäten und die notwendige Netzinfrastruktur von etwa 50 Mrd. Euro voraus. Denn der ambitionierte Fahrplan für 2030 darf die landesweite Versorgungssicherheit und Netzstabilität in keiner Sekunde gefährden.

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Wertvolle Impulse für
Niederösterreich und die EVN

Wertvolle Impulse für Niederösterreich und die EVN

Welche Bedeutung messen Sie der #mission2030 für Niederösterreich und damit für die EVN bei?

Franz Mittermayer: Unsere Unternehmensstrategie setzt klare Prioritäten und deckt sich damit in einem ganz wesentlichen Punkt mit der #mission2030: Wir sind schon heute der führende Windstromerzeuger in Niederösterreich und wollen es auch bleiben. Entsprechende Rahmenbedingungen vorausgesetzt, werden wir daher in den nächsten Jahren weiter kontinuierlich in neue Windparks in Niederösterreich investieren und damit zur geforderten Erhöhung des Stromanteils aus erneuerbarer Erzeugung beitragen. Konkret wollen wir unsere Wind-Erzeugungskapazität bis Ende 2019/20 von aktuell 318 MW auf 370 MW erweitern, mittelfristig streben wir eine Kapazität von rund 500 MW an.

Doch auch im Bereich der Netzinfrastruktur werden wir – und auch dieser Aspekt ist bereits in unserer Unternehmensstrategie abgebildet – in den nächsten Jahren massiv investieren. Denn die Zielsetzungen der #mission2030 stellen unsere Netze wie schon erwähnt vor umfangreiche zusätzliche Aufgaben. So zeichnen sich Teile unseres Versorgungsgebiets durch besonders attraktive Windbedingungen aus, sodass wir nicht nur laufend eigene und fremde neue Windkraftwerke in unser Netz integrieren, sondern auch den Transport von Windstrom in die Ballungsräume sicherstellen müssen. Aber auch Themen wie das in der #mission2030 verankerte 100.000-Dächer-Photovoltaik-Programm oder die wachsende Bedeutung der E-Mobilität erfordern zusätzliche Investitionen, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

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Investitionen in Netze, Erneuerbare
und Trinkwasserversorgung

Investitionen in Netze, Erneuerbare und Trinkwasserversorgung

Wo sehen Sie sonst die Investitionsschwerpunkte der EVN in den nächsten Jahren?

Stefan Szyszkowitz: In Summe planen wir für die nähere und mittlere Zukunft jährliche Investitionen von bis zu 400 Mio. Euro. Davon werden jeweils rund 300 Mio. Euro in die Netzinfrastruktur, erneuerbare Erzeugung und Trinkwasserversorgung in Niederösterreich fließen. Zudem sichern unsere konstanten Investitionen in Südosteuropa – hier liegt der Schwerpunkt weiterhin auf der Reduktion der Netzverluste – die Versorgungssicherheit in unseren Versorgungsgebieten in Bulgarien und Mazedonien.

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Thermische Kraftwerke
als Reservekapazität

Thermische Kraftwerke als Reservekapazität

Welche Bedeutung haben künftig die thermischen Kraftwerke der EVN?

Franz Mittermayer: Dass unsere thermischen Kraftwerke mittlerweile das ganze Jahr über umfangreich – im Geschäftsjahr 2017/18 etwa an 157 Tagen – zur Netzstabilisierung abgerufen werden, spricht eine deutliche Sprache. Ein System, das zu 100 % auf erneuerbarer Stromerzeugung beruht, wird die Versorgungssicherheit nämlich nur dann permanent gewährleisten können, wenn weiterhin konventionelle Kraftwerke Regel- und Ausgleichsenergie zur Stabilisierung des Netzbetriebs bereitstellen. Dies gilt jedenfalls, solange es keine marktreifen Speichertechnologien gibt.

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Unternehmens-DNA
entwickelt sich weiter

Unternehmens-DNA entwickelt sich weiter

Verändern die Herausforderungen der Energiezukunft die EVN?

Stefan Szyszkowitz: Vernetzung nach innen und außen wird immer wichtiger. Lassen Sie mich das anhand eines konkreten Beispiels erläutern: Wir haben ein Echtzeit-Informations- und Steuerungssystem für die Energiewirtschaft, kurz EZISSE, entwickelt, um unsere eigenen sowie die dezentralen Erzeugungseinheiten unserer Kunden optimal einzubinden und zu steuern. Diese innovative digitale Plattform, mit der man Angebot und Nachfrage sekundengenau aufeinander abstimmen kann, bildet auch die technische Grundlage für unser viel beachtetes neues Photovoltaik- und Energiesteuerungsprodukt joulie. 2018 auf den Markt gebracht, ermöglicht joulie – unter Nutzung von Google Maps – denkbar einfach und bequem mit ein paar Klicks die Konfiguration einer Photovoltaik-Anlage samt unverbindlichem Angebot. Aber joulie kann noch mehr, denn dieser webbasierte Assistent steuert und optimiert auch die Anlagen des Kunden und stellt sogar die Vermarktung von überschüssigem Strom über unser Netzwerk sicher. Die Umsetzung solcher Innovationen gelingt nur durch intensive Zusammenarbeit aller Marktteilnehmer, Kunden inklusive, und der Spezialisten der EVN. Ich würde daher – durchaus mit Stolz – von positiven gelebten Beispielen sprechen, wie sich unsere DNA gemeinsam mit dem Energiesystem weiterentwickelt!

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Sommer-Winter-Ausgleich als
neue Herausforderung

Sommer-Winter-Ausgleich als neue Herausforderung

Welche Lösungen sehen Sie im Bereich der saisonalen Speicherung?

Franz Mittermayer: Der Zuwachs an erneuerbarer Erzeugung stellt die Energiewirtschaft in ganz Europa verstärkt vor das Problem, dass Wasser, Wind und Sonne vor allem im Frühjahr und im Sommer zu deutlicher Überschussproduktion führen, während sie in den Wintermonaten die Stromnachfrage nicht ausreichend decken können. Die längerfristige, saisonale Stromspeicherung – wir sprechen hier auch vom Sommer-Winter-Ausgleich – wird damit immer mehr zur zentralen Herausforderung der Energiezukunft. Wir beschäftigen uns natürlich auch mit diesem Thema, prüfen Kooperationen und forschen gemeinsam mit Partnern im Rahmen mehrerer Projekte. Ein definitiv interessanter Ansatz ist hier die Umwandlung von Strom in erneuerbares Gas, das bei Bedarf wieder zum Betrieb von Gasturbinen und damit zur Stromerzeugung eingesetzt werden kann. Um hier zu marktreifen Technologien zu gelangen, müssen neben technischen Details aber vor allem auch noch Fragen der Wirtschaftlichkeit und der Finanzierung geklärt werden.

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Immer neue Lösungen dank
aktiver Innovation

Immer neue Lösungen dank aktiver Innovation

Wie stellt sich die EVN im Bereich der Forschung und Innovation auf?

Stefan Szyszkowitz: Die aktive Beschäftigung mit den Veränderungen unserer Branche ist für uns entscheidend. Nur so werden wir als Netzbetreiber in der Lage sein, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Versuchsreihen, wie wir sie zuletzt an der Großbatteriespeicher-Pilotanlage in Prottes bei einem unserer Umspannwerke und Windparks durchgeführt haben, helfen uns, innovative Lösungsansätze zum Ausgleich von Spannungsschwankungen in Ortsnetzen zu untersuchen. Ganz allgemein ist die Einbindung dezentraler Erzeugung eine elementare Herausforderung. Intelligente Lösungen sind hier aus verschiedenen Perspektiven von uns gefordert – bei der Unterstützung der Prosumer in der optimalen Verwendung ihrer Eigenproduktion ebenso wie beim Betrieb der Ortsnetze. Wir fungieren übrigens auch als einer der Träger des „Green Energy Lab“. Im Rahmen dieses Innovationsprojekts für grüne Energie werden neue Technologien und Konzepte für das Energiesystem der Zukunft entwickelt.

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Zukunftsthema
Trinkwasser

Zukunftsthema Trinkwasser

Trinkwasserversorgung ist ebenfalls ein Zukunftsthema für die EVN – was tut sich in diesem Bereich?

Franz Mittermayer: Schon die Temperaturen und geringen Niederschlagsmengen der vergangenen Sommer zeigen deutlich die Notwendigkeit, in den nächsten Jahren massiv in die Trinkwasserversorgung in Niederösterreich zu investieren. Zusätzlich bewirken demografische Trends – Niederösterreich verzeichnet etwa seit Jahren erheblichen Bevölkerungszuzug aus Wien – und die positive Wirtschaftsentwicklung einen allgemeinen Anstieg des Wasserbedarfs. Damit werden weitere überregionale Transportleitungen notwendig, um die Versorgungssicherheit der einzelnen Gemeinden zu verbessern. Sorgsam mit der wertvollen natürlichen Ressource Wasser umzugehen, bedeutet für uns aber ebenso, regelmäßig mit Spezialgeräten etwaige undichte Stellen in unseren Ortswassernetzen zu orten, um den Verlust von Trinkwasser zeitnah zu beenden. Ein wichtiger Beitrag zur Versorgungsqualität ist auch, dass wir mit immer mehr lokalen Naturfilteranlagen den Härtegrad des Wassers auf umweltschonende Weise ohne Einsatzvon Chemikalien reduzieren.

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Digitalisierung, Datensicherheit
und Cybersecurity

Digitalisierung, Datensicherheit und Cybersecurity

Den vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung stehen Herausforderungen wie Datensicherheit und Cybersecurity gegenüber. Wie gehen Sie damit um?

Franz Mittermayer: Sehr sensibel – vor allem wenn es um den Schutz berechtigter Kundeninteressen geht. Mit größter Sorgfalt befassen sich unsere IT-Experten etwa mit Themen wie Cybersecurity oder Schutz kritischer Infrastruktur. Ein wesentliches Kundeninteresse ist auch das Thema Datenschutz, das etwa im Zusammenhang mit den von der EU gewünschten Smart Meters eine ganz andere Bedeutung bekommen hat. Bei allen positiven Möglichkeiten, die intelligente Stromzähler für Kunden mit Affinität zu einer genauen Analyse und Steuerung ihrer Verbrauchsmuster bereithalten, haben Qualität und Datensicherheit oberste Priorität. Daher verstehen wir es als unsere Verantwortung, die Qualität der für das Smart Metering erforderlichen Hard- und Software besonders intensiv zu testen.

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Solide Perspektiven
für Investoren

Solide Perspektiven für Investoren

Welche Chancen bietet die gezielte Ausrichtung der EVN auf die Energiezukunft für Aktionäre?

Stefan Szyszkowitz: Wir stehen weiterhin für eine verlässliche Dividendenpolitik. Unsere Aktionäre dürfen auf stabile und planbare Ausschüttungen vertrauen. Die Grundlage dafür bildet unser solides Geschäftsmodell, das stabile Aktivitäten in Niederösterreich wie den Betrieb von Netzen und Windparks sowie die Trinkwasserversorgung in den Mittelpunkt stellt. Wie wir auch in diesem Geschäftsbericht zeigen, reagieren wir gleichzeitig jedoch aktiv auf die Veränderungen unserer Branche, die durch Digitalisierung und andere Entwicklungen den Netzbetrieb in Zukunft genauso prägen und weiterentwickeln werden wie unser Produktangebot. Denn ertragsstarke wie -sichere Geschäftsfelder und eine gesunde Kapitalstruktur werden auch künftig die Voraussetzung sein, um uns als stabile Größe auf dem Kapitalmarkt zu behaupten.

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